Zurück zur Startseite!
Suche:
EN FR IT ES PT PL UA RU


ONLINE-KIRCHE DES BARMHERZIGEN JESUS
SANKT-JOSEFS-ONLINE-KIRCHE
ONLINE-KAPELLE DER GOTTESMUTTER MARIA DER KNOTENLÖSERIN
Linkes Seitenschiff
Ikonostase
Rechtes Seitenschiff
»   Byzantinisches Segenskreuz - Ausschnitt
»   Barmherziger Jesus - Ausschnitt
»   Heilige Faustina
»   Maria Knotenlöserin
»   Heilerin von Krebs
»   Gottesmutter vom unerschöpflichen Kelch
»   Heilige Ärzte Kosmas und Damian
»   Heilige Hildegard von Bingen
»   St. Dismas - der rechte Schächer
»   Seliger Nikolaus Charnetsky
»   Seliger Petro Verhun
»   Jesusgebet
VIRTUELLE GEBETSKAPELLE FÜR KREBSKRANKE
VIRTUELLE GEBETSKAPELLE FÜR PSYCHISCH KRANKE
ONLINE-KAPELLE DES HEILIGEN CHARBEL
ONLINE-KIRCHE DER HEILIGEN PHILOMENA
DER IRISCHE SEGENSGARTEN
Live-Stream Eucharistische Anbetung



Kopie der Ikone \'Freude aller Freuden\', die besonders vom heiligen Seraphim von Sarow verehrt wurde. Gemalt von Bildhauermeister Heinrich Wolf
Kopie der Ikone \'Freude aller Freuden\', die besonders vom heiligen Seraphim von Sarow verehrt wurde. Gemalt von Bildhauermeister Heinrich Wolf

Jesusgebet - Entstehung


Texte entnommen aus dem Buch "Auf dem Weg zum immerwährenden Jesusgebet".
Copyright by Fe-Medienverlag GmbH, Hauptstraße 22,
D-88353 Kißlegg und
Heilig-Blut-Gemeinschaft vom Erlöser der Welt e.V.


Bildnachweis: Die Zeichnungen wurden gefertigt von Bildhauermeister Heinrich Wolf aus Bad Wörishofen

Vorwort


Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir. Sie beobachten in Europa einen Wertezerfall und sehen, wie junge Menschen sich fernöstlichen Religionen zuwenden. Wir haben von Gott ein großes Geschenk bekommen. Unser Heiliger Vater trägt den Namen Benedikt und wir begreifen, dass unser Abendland aufgebaut wurde anhand von Werten, die sich in der Benediktusregel finden. Die Benediktusregel können wir als ein geistiges Gesetz für den Erhalt des Abendlandes und seiner Kultur ansehen. Wenn nicht im Sinne dieser Regel gehandelt wird, dann beginnt der Werteverfall.

Dieses kleine Büchlein möchte eine Anregung für Sie sein, für den Erhalt Europas und seiner Grundwerte zu beten. Es ist eine Gebetsform, die ich Ihnen vorschlagen möchte, mit der Sie Gott Ihr Herz schenken. Im Evangelium lehrt uns Jesus, dass wir unseren Herrn und Gott lieben sollen mit „all unseren Kräften und aus ganzem Herzen". „Dieses Gott zu lieben aus innerstem Herzen" ist für mich eines der Hauptanliegen des Evangeliums. Ein Christentum mit Herz und mit Liebe zu Gott und dem Nächsten. Im Osten hat sich auf der Grundlage des Evangeliums ein Gebet entwickelt, das wir das „Immerwährende Herzensgebet" nennen. Es ist ein Gebet, das auf der einen Seite einfach ist und dennoch von einer großen Tiefe. Ein Gebet, das sozusagen eine Zusammenfassung des Evangeliums darstellt. Ein Gebet, das von Christen aller Konfessionen gebetet werden kann.

Zeichnung eines Cherubs von Heinrich Wolf
Zeichnung eines Cherubs von Heinrich Wolf
Das Jesusgebet hat seine Wurzeln im Evangelium. Der blinde Bettler Bartimäus begegnet dem Herrn und bittet ihn um sein Erbarmen. Sein Flehruf: „Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner!" findet bei Jesus Gehör. Interessant ist, dass er nicht nur das Licht der Augen, sondern auch das Licht des Glaubens geschenkt bekommt. Wir alle können uns wiederfinden im blinden Bettler Bartimäus und warten darauf, dass Jesus an uns vorüberzieht und uns im Innersten berührt (vgl. Mk 10,46-52).

Eine weitere wichtige Begebenheit des Evangeliums ist das Gebet des Zöllners im Tempel. Der Zöllner steht im Hintergrund und wagt es nicht, die Augen zu erheben. Obwohl ein Sünder, wird er gerechtfertigt, weil er seine Sündhaftigkeit anerkennt und demütig um Erbarmen bittet (vgl. Lk 18,9-14). Ein wichtiges Gleichnis für die innere Grundhaltung beim Gebet, welche die Gnade Gottes in das Herz herabzieht. Es ist dieses demütige Sich-Beugen vor der Allmacht Gottes und die Bitte, sich mit der Gnade Gottes erfüllen zu lassen, also ein leeres Gefäß zu sein, um die Gnaden Gottes aufzunehmen. Der heilige Johannes der Täufer lehrt uns diese wunderbare Haltung, bei der wir selbst innerlich abnehmen und uns ganz mit der Gnade Gottes erfüllen lassen, allerdings ohne unsere eigene Individualität zu verlieren. Man kann sogar sagen, dass unsere Seele vervollkommnet wird. Der Evangelist Johannes beschreibt uns sehr schön die Begegnung von Jesus mit dem heiligen Johannes, dem Täufer (vgl. Joh. 3,22-36).

Das Jesusgebet ist ein Bekenntnis und Zeugnis des Gottmenschen Jesus Christus, so wie der heilige Petrus dies bekennt und ihn als den Sohn des lebendigen Gottes erkennt (vgl. Mt 16,17). Wir finden im Jesusgebet die Anbetung des Gottmenschen Jesus Christus, der sich im wunderbaren Glanz seiner Verklärung auf dem Berg Tabor zeigte und nach der Anbetung folgt die Bitte um das Erbarmen.

Diese Bitte um das Erbarmen Gottes ist sehr vielgestaltig. Im russischen Pilger heißt es, dass jedes Mal, wenn der Mensch diese Bitte um Erbarmen ausspricht, eine Stimme antwortet: „Sohn, Deine Sünden sind Dir vergeben". Die Bitte und der Flehruf um das Erbarmen Gottes gehören zu den ältesten Gebeten der Christenheit. Das Erbarmen umfasst so viel, dass das menschliche Begreifen dafür nicht ausreicht. Hier nur einige Aspekte: Es ist die Bitte um Wachstum in der Fülle der Liebe, die Verzeihung der Sünden, der Flehruf, unser Herr möge allen Menschen dieser Erde und dem ganzen Kosmos das gewähren, wessen wir bedürftig sind und vor allem auch die Bitte um innere Heilung. Wenn wir den Herrn um sein Erbarmen bitten, dann rufen wir ihn an, er möge unseren Mitmenschen und uns heilendes Öl für unsere Seele geben. Der amerikanische Psychologe Alberto Rossi schreibt, dass das im griechischen „Eleison" vom Sprachlichen her die gleiche Wurzel hat wie Öl. Die Symbolik des Öls ist vielgestaltig und all diese Schätze sind enthalten im Jesusgebet.

Das Jesusgebet ist keinesfalls ein egoistisches Gebet. Wenn wir beten „erbarme Dich meiner", dann tun wir es immer in der Meinung, dass das Erbarmen allen Menschen zugute kommen wolle. Das „meiner" bedeutet jedoch, dass man zuerst bei sich anfängt. Der heilige Seraphim von Sarow ermahnt uns nicht umsonst, zuerst den eigenen Frieden im Herzen zu finden und als Folge davon werden ihn tausende Menschen um uns herum finden. Wer das Jesusgebet verrichtet, zieht sich also in die innerste Kammer des Herzens zurück, um dort dem Dreifaltigen Gott ständig Anbetung, Lob, Bitte und Sühne darzubringen durch unseren einzigen Mittler beim Vater, den Herrn Jesus Christus. Durch Jesus haben wir den Zugang zum Vater und sind verbunden mit dem Heiligen Geist. So heißt es im Römerbrief: „Niemand kann Herr Jesus sagen, außer im Heiligen Geist" (vgl. 1 Kor 12,3). Der Geist Gottes ist es auch, der unter unaussprechlichem Seufzen für uns eintritt (vgl. Röm 8,26).

Das Jesusgebet entstand vor der Trennung von Ost-und Westkirche und ist ein Erbe der ungeteilten Christenheit. Seine Wurzeln hat dieses Gebet im Evangelium. Das Jesusgebet ist verbunden mit dem Hesychasmus, dem Gebet der Ruhe und Stille. Schon der heilige Antonius der Große zog sich in die Stille zurück, um zur Herzensruhe zu gelangen. Bei Johannes Klimakos (580-650) finden wir das monologische Jesusgebet und die von ihm beschriebene Stufenleiter stellt den Weg jedes einzelnen Gläubigen zu Gott dar. In Deutschland sind es vor allem die Klöster der Benediktiner und Benediktinerinnen, die sich um die Übung des Herzensgebetes bemühen. Altabt Emmanuel Jungclaussen aus Niederaltaich hat sich um die Neuherausgabe des von Reinhold von Walter übersetzten Buches: „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers" erfolgreich bemüht. Dieses Buch ist ein Klassiker der christlichen Spiritualität geworden. Sogar geistliche Berufungen wurden und werden immer wieder durch die Lektüre dieses Buches geweckt.

Im folgenden Büchlein erhalten Sie eine kurze Einführung in das Jesusgebet. Wir alle sind auf dieser Welt Pilger, so wie es im Buch des russischen Pilgers beschrieben ist und viele unter uns haben eine tiefe Sehnsucht nach dem immerwährenden Gebet. Das nachfolgende Büchlein möchte eine kurze Einführung und Hilfestellung auf dem Pilgerweg zum Herzensgebet oder immerwährenden Gebet sein. Ein wichtiges Anliegen dieses kleinen Büchleins ist es auch, christliche Wege zur Meditation aufzuzeigen. Im Westen waren es vor allem der heilige Franziskus, von dem bekannt ist, dass er den Namen Jesus mit größter Andacht aussprach, der heilige Bernardin von Siena mit seinem Namen-Jesu-Monogramm und der heilige Johannes von Kapistran.


Der Wortlaut des Gebets


Wir haben es einfacher als unser russischer Pilger, der immer wieder harte Prüfungen zu bestehen hatte, um von einem Eremit den Wortlaut des immerwährenden Gebets zu lernen. Da waren zunächst einmal die körperlichen Drangsale (Hunger, Durst, Fasten, Ermüdung, Gefahren des Weges, Hitze, Kälte, Unsicherheit).
All diesen Gefahren sind wir nicht in dem Ausmaß ausgesetzt wie der russische Pilger. Hinzu kamen seelische Leiden. Die aufrichtige und ehrliche Suche nach dem Weg des immerwährenden Gebets und die Widerstände, die unseren Pilger erwarteten. Ein Weg des Fragens; diese Fragen führten nur langsam zum Ziel, aber er kam seinem Ziel immer näher. An einem bestimmten Punkt des Weges wurde der russische Pilger beschenkt, indem er selbst nicht mehr suchen musste, sondern die Antwort auf ihn zukam. Er erkannte zunächst die Antwort, die ihm Gott geben wollte in Gestalt eines älteren und weisen Eremiten nicht. Er reagierte etwas abweisend, aber die Liebenswürdigkeit des Eremiten bewegte ihn zu einem Gespräch und er erhielt dann folgende Antwort: „Das unablässige innerliche Jesusgebet ist das ununterbrochene, unaufhörliche Anrufen des göttlichen Namens Jesu Christi mit den Lippen, mit dem Geist und mit dem Herzen, wobei man sich seine ständige Anwesenheit vorstellt und ihn um sein Erbarmen bittet bei jeglichem Tun, allerorts, zu jeder Zeit, sogar im Schlaf. Es findet seinen Ausdruck in folgenden Worten: „Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner"! (Erweiterte Form: Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, des Sünders).

Wenn sich nun einer an diese Anrufung gewöhnt, so wird er einen großen Trost erfahren und das Bedürfnis haben, immer dieses Gebet zu verrichten, derart, dass er ohne dieses Gebet gar nicht mehr leben kann, und es wird sich ganz von selber aus ihm lösen. Verstehst Du nun, was das unablässige Gebet ist?"' (Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers, herausgegeben von Emmanuel Jungclaussen, 11. Auflage, Freiburg 1974, Seite 30, abgekürzt: Aufrichtige Erzählungen.)

Gott offenbart sich Mose im brennenden Dornbusch - der Dornbusch als Symbol der Gottesmutter Maria. Illustration von Heinrich Wolf
Gott offenbart sich Mose im brennenden Dornbusch - der Dornbusch als Symbol der Gottesmutter Maria. Illustration von Heinrich Wolf
Der Name 

Verweile unaufhörlich im Namen des Herrn Jesus, und der Herr wird Dein Herz verzehren und das Herz den Herrn: Und die zwei werden eins sein. Heiliger Johannes Chrysostomos. (Ilarion, Schimonach: Auf den Bergen des Kaukasus, Gespräch zweier Einsiedler über das Jesusgebet, Salzburg 1991. Otto Müller-Verlag, Seite 10, Abgekürzt: Schimonach Ilarion.)

„Selig ist, wer das Denken an das Jesusgebet anheftet und im Herzen unaufhörlich zu ihm ruft, so wie die Luft zu unserem Körper gehört oder die Flamme zur Kerze... Wenn der heilige und verehrungswürdige Name des Herrn unaufhörlich im Verstand leuchtet, gebiert er zahllose, sonnenstrahlende Gedanken (Hesychios von Bathos, Philokalia, Band 2, Athos 1895, N. 189, S. 142). „Im Namen Jesu beuge sich jedes Knie, im Himmel, auf Erden und unter der Erde" (Phil 2,10).

Der heilige Bernardin von Siena sagte über den Namen Jesus: „Die beste Inschrift des Namens Jesu ist die im Herzen, dann die in Worten, dann erst kommt das gemalte oder in Stein gehauene Bild. Wenn Du ihn oft siehst mit dem geistigen Auge, inwändig, wirst Du ihn häufig nennen, aus Ehrfurcht, aus Liebe, aus Glauben und wirst Dich daran gewöhnen, so dass Du bei jedem Ereignis immer Jesus, Jesus im Herzen haben wirst".

„In diesem Namen Jesu ist alles, was Gott zur Erlösung der Welt tat, alles ist in diesem Namen Jesu verborgen. Die ganze Bibel, von der Genesis bis zum letzten Buch, alle Evangelien und alle Paulusbriefe, die Briefe des heiligen Petrus und des heiligen Jakobus, die Apokalypse des heiligen Johannes und die Apostelgeschichte, die ganze Schrift des Alten und Neuen Testaments, in diesem Namen Jesu ist alles gegründet und dargestellt, sagt der heilige Paulus. Mit einem Wort: Gott hat über die Erde wenig Worte reich an Gehalt gesprochen, nämlich den Namen Jesu, damit die Kleinen und Großen es lernen und behalten können und sich in diesem Namen erretten" (entnommen aus: Piero Bargellini, Bernardino, der Rufer aus Siena, Freiburg 1837).

Die drei Schritte des Gebets

Wir können drei Schritte des Gebets unterscheiden:
- Die Gewohnheit des gewöhnlichen mündlichen Gebets, in der Kirche oder privat.
- Die Einheit der Gedanken und Gefühle der Frömmigkeit mit dem Intellekt und dem Herzen.
- Das immerwährende Gebet (Vereinfachte Darstellung). (Igumen Chariton von Valamo, Die Kunst des Betens, Begrolles-en-Mauges, 1979, Seite 64 (Übersetzung aus dem Französischen), Abgekürzt: Die Kunst des Gebets)

Das Herz — Sich vor Gott aufhalten in der Anbetung

„Was Gott von uns verlangt, das ist unser Herz (Sprichwörter 23,26); und es genügt, dass jener in seiner Gegenwart in der Anbetung verweilt". Sich beständig vor Gott in der Anbetung aufhalten, das ist es, das immerwährende Gebet; das ist die genaue Beschreibung. Und in dieser Hinsicht, ist die Gebetsregel nichts anderes als das Öl für die Flamme oder Holz, das man in den Feuerherd wirft.(Die Kunst des Gebets, Seite 85 (Übersetzung aus dem Französischen)

Das Jesusgebet ist bevorzugt ein Gebet der Anbetung. Das Herz verweilt in ständiger Anbetung vor Gott. Verbunden mit der Anbetung ist die Bitte um das Erbarmen.

Der Prophet Elijah wird im Feuerwagen entrückt. Sein Schüler Elisha erhält Anteil an seinem Geist. Zeichnung von Heinrich Wolf.
Der Prophet Elijah wird im Feuerwagen entrückt. Sein Schüler Elisha erhält Anteil an seinem Geist. Zeichnung von Heinrich Wolf.

Der Mönch Johannes zum Jesusgebet


„Als ich zum Kloster von Neamtu (Rumänien) kam und von Vater Paisius hörte, wie man das Jesusgebet beginnen und fortsetzen sollte, begann ich es zu praktizieren. Dieses Gebet erschien mir so süß, dass ich es allem anderen vorzog. Aus diesem Grund vermied ich den Umgang mit anderen Mönchen, liebte die Stille, war gewöhnt, mich oft in die Einsamkeit zurückzuziehen, und rannte fort von allen Versuchungen und am meisten vor allem überflüssigen Gerede. Um des Gebetes willen machte ich zweimal eine Pilgerfahrt, erschöpfte mich mit Gehorsam und harter Arbeit, Kniebeugen und Nachtwachen, um das immerwährende Gebet zu erlangen. Um dieses Gebetes willen hielt ich mich auch oft in der Einsamkeit auf. Um es zu erlangen, wandte ich meine Kraft auf und wurde sehr schwach.

Ich fuhr fort auf diesem Weg für viele Jahre und allmählich wurde das Gebet tiefer. Danach, als ich in der Skete der Gottesmutter vom Schutz wohnte, suchte der Herr mich heim wegen dem Gebet von Vater Platon. Unbeschreibliche Freude überschattete mein Herz und das Gebet begann sich von selbst zu verrichten. Es ist süß, sodass es mir nicht erlaubt zu schlafen. Ich schlafe nur eine Stunde während 24 Stunden und das aufrecht. Und ich erhebe mich wieder, wie wenn ich nie geschlafen hätte, weil näm
lich, während ich schlafe, mein Herz wacht und das Gebet beginnt, seine Früchte hervorzubringen. Es ist wahr, das Königreich Gottes ist in uns. In mir wurde eine Liebe zu jedem geboren, etwas Unbeschreibliches und Tränen. Ich möchte unaufhörlich weinen. Die Heilige Schrift, besonders das Evangelium und die Psalmen, wurden mir so süß, dass ich sie niemals genug genießen kann. Jedes Wort erstaunt mich und lässt mich weinen. 0 Gott, Du offenbarst mir Deine unbegreifliche und geheimnisvolle Weisheit.

Oft am Abend erhebe ich mich, um die Psalmen zu lesen oder in das Jesusgebet einzutreten und ich erfahre eine Ekstase. Ich trete aus aus mir selber, ob im Körper oder außerhalb des Körpers, und zu welchem Platz, weiß ich nicht. Gott weiß es. Wenn ich zu mir komme, scheint die Sonne. Aber die Versuchungen des Fleisches bedrängen mich, um mich zu quälen, damit ich demütig bleibe. Ich kann nicht mit Menschen leben, besonders mit Laien. Ich kann nicht einmal mit Frauen reden. Mehr als 40 Jahre gingen vorüber in Moldawien, ohne dass eine Frau mich besuchte, obwohl viele mit mir reden wollten. Ich lehnte es immer ab, sie zu sehen. Ich erfuhr viele Versuchungen und Leiden von unserem Gegner, dem Teufel, der mich immer noch quält'''. (Wisdom for the journey, Conversations with Spiritual Fathers of the Christian East, Serge Bolshakoff, New York 2001, Society of St. Paul, S. 156-157, Übersetzung aus dem Englischen, abgekürzt: Weisheit)

„Das Jesusgebet ist wie ein unsichtbarer geistlicher Strom, der unaufhörlich die Kraft Gottes — Seine heilige Gnade — von der immerfließenden Quelle Jesus Christus, dem Sohn Gottes her in unsere Seele gießt und niemals kraftlos wird, sondern in dem Maße, wie unser geistliches Volumen sich erweitert, seine Gnadenströme noch vermehrt" (Schimonach Ilarion, Seite 99)


Das Herz als Wohnsitz der Seele


„So wohnt auch die Seele im Herzen wie in einem Haus und lässt wie durch eine Tür desselben die Gedanken aus- und eingehen, betrachtet sie wie durch ein Fenster und führt ihre Kräfte wie von einem angezündeten Feuer zum Gehirn wie zu einem Schornstein hinüber, damit es sie dort prüfe und voneinander sondere... Die Gedanken aber sind die Urheber des Wissens von Gut und Böse und die Ordner aller Dinge... Die Gedanken sind die Urheber der Güte, der Weisheit, der Torheit und ähnlicher Dinge, wie ja auch schlechte Gedanken aus dem Herzen hervorgehen und das ist die Tür. Weiterhin führt vom Herzen aus ein Weg zu den Elementen, mit denen der Mensch verrichtet, was er denkt” (cc Seite 149). Hl. Hildegard (Bergmüller Alfons, Das menschliche Herz in der Hildegard-Therapie, Grüne Reihe, Dritter Band, Selbstverlag München, ohne Jahreszahl).

Die Gottesmutter in betender Haltung (orante). Zeichnung von Heinrich Wolf.
Die Gottesmutter in betender Haltung (orante). Zeichnung von Heinrich Wolf.

Die Gabe der Tränen


Den Gläubigen, die das Jesusgebet verrichten, schenkt Gott zu dem Zeitpunkt, den Er bestimmt, eine überaus kostbare Gabe — es handelt sich um die Gabe der Tränen.

Es ist jenes wunderbare und heilsame „Bad der Seele", das die Seele des Menschen läutert und reinigt.


Die Gottesmutter als Lehrmeisterin des immerwährenden Herzensgebets


„Nach der Tradition der Kirche wandte sich die Gottesmutter als Erste — in innerster Sammlung des Verstandes im Herzen — an Gott. Damit brachte sie das heiligste angemessene Opfer dar, löste sich aus sämtlichen anderen Banden und sammelte all ihre Aufmerksamkeit wie in einem Brennpunkt im immerwährenden Herzensgebet. So verweilte sie im Allerheiligsten, über alle Unruhe, Vorstellungen und Dinge, erhaben im Schweigen und Gebet vor Gott, vollzog diesen neuen, unaussprechlichen Weg zum Himmel und schaute Gottes Herrlichkeit. Das reine, immerwährende Herzensgebet führte die Jungfrau Maria zu den höchsten Höhen der Gottesschau und Durchgottung — bis sie Wohnstatt des unfassbaren Logos selbst wurde..." (Selawry Alla, Das immerwährende Herzensgebet, Ein Weg geistlicher Erfahrung, Weilheim, 4. Auflage 1980, Seite 46)

Die Gabe des immerwährenden Herzensgebetes ist ein Geschenk, das in den Händen der Gottesmutter ruht. Der heilige Seraphim von Sarow betete vor der Ikone der Gottesmutter der Zerknirschung, die er „Freude aller Freuden" nannte und in betender Haltung mit gekreuzten Händen, genau in der Haltung, wie die Gottesmutter auf der Ikone, verstarb er, nachdem er seinen Tod vorhergesagt hatte.

Der hl. Starez Seraphim von Sarow (1759-1833). 12 Erscheinungen der Gottesmutter wurden ihm zuteil. Er ist der beliebteste Heilige Russlands. @Copyright by Twarkowsky Ikonen Bonn.
Der hl. Starez Seraphim von Sarow (1759-1833). 12 Erscheinungen der Gottesmutter wurden ihm zuteil. Er ist der beliebteste Heilige Russlands. @Copyright by Twarkowsky Ikonen Bonn.
Der heilige Siluan beschreibt, wie er vor einer Ikone der Gottesmutter die Gabe des immerwährenden Herzensgebetes erhielt. „Als ich ein junger Novize war und eines Tages vor der Ikone der Gottesmutter betete, kam das „Jesusgebet" in mein Herz, blieb dort und verrichtete sich von selbst, immerfort... " (Starez Siluan, Seite 84)

„Maria, die Jungfrau, die Mutter, zeigt uns, was Liebe ist und von wo sie ihren Ursprung, die immer erneuerte Kraft nimmt" (Papst Benedikt XVI., „Deus Caritas est") (Maria, Papst Benedikt XVI. über die Gottesmutter, Augsburg 2008, St. Ulrich-Verlag)


Josef, nach der Gottesmutter der größte Verherrlicher des Namens Jesu


Im Traum befahl der Engel dem hl. Josef, dem Kind den Namen Jesus zu geben (vgl. Mt). Deshalb ist er der besondere „Schutzherr und Schutzpatron" aller Beter des Jesusgebets. Nicht umsonst rät die hl. Teresa von Avila jedem, der Fortschritte in der Tugend machen möchte, sich den hl. Josef zum geistlichen Vater zu nehmen. Er verbindet auf ideale Weise die höchste Kontemplation mit dem Ideal der Werktätigkeit. Der große „Gerechte" steht auf der obersten Stufe der Leiter der Patriarchen. In seiner Weisheit übertraf er Salomon und in seiner Beherztheit den König David. Er ist der ideale Führer jedes Pilgers auf dem Weg zum immerwährenden Herzensgebet.


Rosenkranz und Jesusgebet


Der Rosenkranz und das Jesusgebet ergänzen sich auf ganz harmonische Weise gegenseitig. Es empfiehlt sich, beide Gebetsformen zu verrichten. Der Rosenkranz ist das Gebet der Westkirche und das Jesusgebet hat sich vor allem in der Ostkirche entwickelt.

In den letzten Jahrzehnten wird es aber auch vermehrt in der Westkirche von Christen aller Konfessionen geübt. In seiner Enzyklika: „Der Rosenkranz der Jungfrau Maria — Rosarium Virginis Mariae" schreibt Papst Johannes Paul II. hierzu folgendes: „Das Rosenkranzgebet ist in der besten und bewährten Tradition der christlichen Betrachtung angesiedelt. Es hat sich als ein eigentümlich meditatives Gebet im Westen entwickelt und ist in gewisser Weise eine Entsprechung zum „Herzensgebet" oder „Jesusgebet", welches auf dem Humus des christlichen Ostens gewachsen ist."


Das Jesusgebet und die Mysterien (Sakramente) der heiligen Kirche


„Das ewige Leben war und ist immer im Sohn Gottes. Um daran Anteil zu erhalten, muss man unbedingt in seiner Seele sich mit dem Urheber dieses Lebens — mit dem Sohn Gottes — vereinigen. Das geschieht erstens durch den Glauben, dass Er unser Erlöser ist, der Sohn Gottes und Gott und durch die Mysterien (Sakramente) der heiligen Kirche; zweitens durch die Annahme und, je nach Vermögen, durch Erfüllung der Lehre seines Evangeliums; dann weiter durch den würdigen Empfang seines ganz reinen Leibes und seines heiligsten Blutes — im Geheimnis der Eucharistie... (Schimonach Ilarion, Seite 139)


Christus wohnt in uns durch die Sakramente


Ihr macht eifrige Versuche, damit das Jesusgebet in Euch Wohnung nimmt. Möge Gott Euch segnen. Glaubt, dass der Herr Jesus Christus in Euch lebt, durch die Macht der Taufe und durch die heilige Kommunion, gemäß dem, was er selbst versprochen hat. Jene, die getauft sind, haben Christus angezogen, und jene, welche die heilige Kommunion empfangen, empfangen den Herrn. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm" (Joh 6,56), sagt der Herr.

Nur die Todsünde beraubt uns dieser großen Gnade; aber auch dann können wir sie wiedererlangen durch die Reue und die Beichte, und anschließend die heilige Kommunion. Ihr müsst das glauben. Wenn Euer Glaube zu schwach ist, bittet Gott ihn in Euch zu vermehren, ihn stark und unerschütterlich werden zu lassen"'. (Die Kunst des Gebets, Seite 178 (Teophan der Klausner))

Der Gläubige, der das Jesusgebet verrichtet, braucht besonders das Sakrament der Beichte. Durch das Gebet setzt ein Läuterungsvorgang ein, eine sanfte und milde Reinigung, die bewirkt, dass alles Unreine aus dem Herzen aufsteigt, um gereinigt und geheilt zu werden. Es ist, wie wenn man in einem Wasserglas, auf dessen Boden sich Schmutz befindet, das Wasser aufrührt und der Schmutz wird gleichzeitig aufgewirbelt und gelangt an die Oberfläche.

Altvater Porphyrios (+1991) schreibt über die Beichte: „Wie wünschte ich, dass wir an einem stillen Ort wären, dass ich mich frei machen könnte von allen Verpflichtungen, so dass Du mir Dein ganzes Leben erzählen kannst von Anfang an, von dem Moment an, wo Du Dich deiner Selbst bewusst wurdest, alle Ereignisse, an die Du Dich erinnerst, und wie Du ihnen begegnet bist, nicht nur die unangenehmen, sondern auch die angenehmen, nicht nur die Sünden, sondern auch die guten Dinge. Die Erfolge und die Misserfolge. Alles, was Dein Leben ausmacht.
Solch allgemeine Beichten habe ich oft angewandt und Wunder erlebt damit. Zur Stunde, da Du dem Beichtvater all diese Dinge sagst, kommt die göttliche Gnade und macht Dich frei von allen schlimmen Erfahrungen und Wunden und seelischen Traumen und Schuldgefühlen, denn zu jener Stunde, da Du all das aussprichst, betet der Beichtvater innig zum Herrn, damit er Dich frei mache davon". (Altvater Porphyrios von Kavsokalyvia, Leben und Lehre, Chania, Kreta 2006, abgekürzt: Altvater Porphyrios, S. 267)

Wir alle brauchen die Beichte zur Nachlassung der Sünden und die Wiederherstellung des Zustandes der Gnade. Der heilige Johannes Chrysostomos schreibt: „So fordern die Erfahrenen jeden Menschen auf, den Namen Jesu Christi gegen jede Anfechtung herzhaft anzurufen: „Ich bitte Euch, Brüder, lasst nie vom Jesusgebet, aber sprecht es stets, als ob Ihr esst oder trinkt, arbeitet oder unterwegs seid, um stets gerüstet zu sein".

Das Gedenken Gottes erschließt der Seele, was in ihr ist. Erst wird ihr das Schlechte in ihrem Herzen bewusst, später auch das Gute. Zuerst bringt das Gottgedenken alle Teufelsmacht in Bewegung, dann zähmt es sie allmählich. So vermag das Gebet, die uns innewohnende Sünde aufzudecken und sie dann auch zu tilgen. Der Name Jesu Christi dringt in die Herzenstiefen, bändigt den dort herrschenden Widersacher, befreit und belebt die Seele. So verweile stets im Namen Gottes, dass das Herz sich dem Herrn eine. Doch groß ist die Mühe, bis der Feind vertrieben ist und Christus ins Herz einzieht."


Jesusgebet und Evangelium


Zum Jesusgebet gehört ein Leben nach den Weisungen des Evangeliums. Das Gebet wird niemals im Herzen wohnen bleiben, wenn die Gebote des Evangeliums nicht erfüllt werden. „Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift" (Lk 24,45). Der heilige Seraphim von Sarow las jeden Tag einen Evangelisten ganz. Er empfahl mindestens vier Kapitel des Evangeliums täglich zu lesen.

In der byzantinischen Liturgie betet der Priester vor dem Verlesen des Evangeliums: „Erleuchte unsere Herzen, Menschen liebender Herr, mit dem makellosen Licht Deiner göttlichen Weisheit und öffne die Augen unseres Geistes, damit wir verstehen, was Du im Evangelium lehrst. Pflanze in uns ein die Furcht vor Deinen seligen Geboten, damit wir — alle Begierden des Fleisches abschüttelnd - beginnen, ein geistliches Leben zu führen, und im Denken und Tun alles vollbringen, was vor Dir angenehm ist. Denn Du bist die Erleuchtung unserer Seelen und Leiber, Christus unser Gott, und Dir senden wir den Lobpreis empor, zusammen mit Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen, gnädigen und lebensspendenden Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit."
Starez Porphyrios lehrt über das Gebet: „Betet zu Gott mit offenen Armen. Dies ist das Geheimnis der Heiligen. Kaum öffneten sie die Arme, kam die göttliche Gnade über sie. (Altvater Porphyrios, Seite 190)


Ruhe und Schweigen


Vom Mönchsvater Cassian ist uns das sog. „Ruhegebet" überliefert. Er teilt uns eine Form des Gebets mit, die zur Grundlage wurde für das Jesusgebet. Bei Cassian ist es die Anrufung: „Gott, merk auf meine Hilfe — Herr, eile mir zu helfen." Anstelle dieser Anrufung kann auch das Jesusgebet sanft in der Stille des Herzens, rein geistig, verrichtet werden. Dem Ruhegebet nach Cassian und dem Jesusgebet ist vieles gemeinsam, beide haben als Grundlage das Gebet des Geistes in der Ruhe und Stille des Herzens und auch der äußeren Umgebung. Das Ruhegebet wird beschrieben von Peter Dyckhoff in seinem schönen Büchlein „Bete ruhig" (Betrachtung und Ruhegebet, München 2005, Don Bosco-Verlag).

Die Erschaffung des Adam. Illustration von Heinrich Wolf.
Die Erschaffung des Adam. Illustration von Heinrich Wolf.

Inneres und mündliches Gebet


Viele Beter, die das Jesusgebet praktizieren möchten, fragen sich, welcher Anteil davon rein geistig innerlich und welcher mündlich sein sollte. Starez Tychon gibt uns darauf eine sehr gute Antwort. Er rät dazu, innerlich geistig zu beten und wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, das Gebet mündlich zu verrichten. Die angestrebte Form beim Jesusgebet ist das innere, rein geistige, lautlose Gebet des Verstandes im Schweigen, wobei der Verstand sich auf den Inhalt der Worte des Gebets konzentriert. Diese Worte auch mündlich zu wiederholen, kann eine Hilfe sein, sie sich zutiefst einzuprägen und beim Nachlassen der Konzentration und Aufmerksamkeit wieder zur Sammlung zu finden.

Es gibt neuerdings auch Gebetsgruppen, die gemeinsam das Jesusgebet üben. Hier besteht die Möglichkeit, dass die ganze Gruppe 50- oder 100-mal das Jesusgebet zusammen betet. Oder jeder Einzelne betet 50- oder 100-mal das Jesusgebet auf seinem Rosenkranz vor und die Anderen beten es innerlich mit. Im Büchlein „Jesusgebet und Heiligkeit" finden Sie hierzu Anleitungen. (Schimonachenia Seraphima, Jesusgebet und Heiligkeit, Kisslegg 2007, Fe-Medienverlag)


Der geistliche Vater


Das geistliche Amt der Vaterschaft, welches die Mönchsväter zu großer Vollendung brachten, wird bis heute noch bei den Starzen in den Kirchen des Ostens ausgeübt. Es leitet sich her von dem Wort des Apostels Paulus: „Hättet ihr auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium Euer Vater geworden. Darum ermahne ich Euch: „Haltet Euch an mein Vorbild" (1 Kor 4,14-16). Geistlicher Vater ist jener, der einen anderen für das geistliche Leben im Glauben zeugt. Durch diesen einzigartigen Dienst kommt der geistlichen Vaterschaft im Leben des Glaubens eine hervorragende Bedeutung zu. (Jungclaussen, Abt Emmanuel, Geistliche Texte der Seelenführung, Edition Cardo, Herausgegeben von Wilhelm Nyssen und Michael Schneider, Köln 2008, Vorwort von Großarchimandrit Prof. Dr. Michael Schneider, Seite 6, abgekürzt: Seelenführung)

Viele Gläubige in der heutigen Zeit sind auf der Suche nach „geistlichen Vätern". Sie haben dabei große Wunschvorstellungen und Sehnsüchte. Erfahrungsgemäß kann man sagen, dass wenn jemand den großen Starzen nicht in unserer heutigen Zeit finden kann, auch ein einfacher Beichtvater, der gläubig und ehrbar lebt, einem Menschen, der auf dem Weg des Jesusgebets voranschreiten möchte, eine große Hilfe sein kann. Vor allem in den Benediktinerklöstern findet man erfahrungsgemäß immer wieder Mönche, die selbst auch das Jesusgebet üben.

Auch ein guter Geistlicher, der ein tiefes Gebetsleben führt, aber nicht einmal selbst das Herzensgebet intensiv üben kann, ist eine Hilfe für einen Gläubigen. Es geht darum, den Segen des Beichtvaters oder „geistlichen Vaters" zu erbitten und ihm durch die Beichte immer wieder Rechenschaft abzulegen über die eigene seelische Entwicklung. Der Herr wird diesen Gehorsam segnen und die Früchte werden wachsen.

Nicht umsonst finden sich im ostkirchlichen Stundengebet die sog. Metanien. Es gibt die kleinen und großen Metanien. Bei der kleinen Metanie berührt man mit der Hand den Boden. Bei der sog. großen Metanie wird ein Kniefall gemacht und die Stirn berührt den Boden. Die großen Metanien werden vor allem während der Fastenzeit geübt.

Zeichnung eines Tschotki (Rosenkranz für das Jesusgebet) mit Christusdarstellung und dem Wortlaut des Gebets von Heinrich Wolf.
Zeichnung eines Tschotki (Rosenkranz für das Jesusgebet) mit Christusdarstellung und dem Wortlaut des Gebets von Heinrich Wolf.

Die Bedeutung der einzelnen Worte des Jesusgebets


In dem Büchlein „Hinführung zum Herzensgebet 17 befindet sich im 4. Kapitel „Fülle des Glaubens" (Ware, Kallistos/Jungclaussen, Emmanuel, Hinführung zum Herzensgebet, Freiburg 1982, sechste Auflage, S. 28) eine ausgezeichnete Erklärung über den Inhalt des Gebets.

Die Bedeutung der einzelnen Worte des Jesusgebets:

Von seiner Theologie her, worauf sich der Pilger zurecht beruft, „enthält das Jesus-Gebet die ganze Wahrheit des Evangeliums"; es ist eine „Zusammenfassung des ganzen Evangeliums".

In einer kurzen Aussage umschließt es die beiden zentralen Geheimnisse des christlichen Glaubens: die Inkarnation und die Trinität. Zunächst spricht es von den beiden Naturen Christi, des Gott-Menschen: von seiner Menschennatur, für die er mit dem menschlichen Namen „Jesus" benannt wird, den ihm seine Mutter Maria bei seiner Geburt in Bethlehem gab; sodann von seiner ewigen Gottheit, für die er durch die Anrufung „Herr" und „Sohn Gottes" geehrt wird.

An zweiter Stelle spricht das Gebet — wenn auch nicht ausdrücklich, so doch einschlussweise — von den drei Personen der Trinität. Es ist an die zweite Person gerichtet, an Jesus, doch weist es auch auf den Vater hin, denn Jesus wird als „Sohn Gottes" angerufen, und auch der Heilige Geist ist in diesem Gebet anwesend, denn „niemand kann sagen ,Herr ist Jesus' außer im Heiligen Geist" (1 Kor 12,3). So erweist sich das Jesus-Gebet als sowohl christozentrisch und auch trinitarisch.

Für die praktische Frömmigkeit ist das Jesusgebet nicht weniger ergiebig. Es umfasst die zwei zentralen Momente christlicher Frömmigkeit: das Moment der Anbetung, wenn wir aufschauen zu Gottes Herrlichkeit und uns in Liebe nach ihm ausrichten, sowie das Moment der Reue, das Wissen um unsere Unwürdigkeit und Sünde.

Das Gebet enthält eine kreisende Bewegung, eine Folge aus Aufstieg und Umkehr. Im ersten Teil des Gebetes erheben wir uns zu Gott: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes..."; um dann im zweiten Teil voller Zerknirschung in uns zu gehen: ,,...erbarme Dich über mich Sünder."

„Diejenigen, die die Gabe des Heiligen Geistes gekostet haben", heißt es in den Homilien des Makarios, „erfahren in ihrem Bewusstsein zwei Dinge zugleich: Freude und Trost auf der einen Seite; Zittern, Furcht und Klagen auf der anderen Seite." Genauso verhält es sich mit der inneren Dialektik des Jesus-Gebetes". (Buchempfehlung: Hutt, Sr. Michaela-Josefa, Heilung durch das Jesusgebet, Kisslegg 2005, Fe-Medienverlag, Seite 173)

Einleitungsgebete für das Praktizieren des Jesusgebets


Viele Gläubige wünschen sich Einleitungsgebete zu verrichten, bevor sie mit dem Jesusgebet beginnen. An dieser Stelle finden Sie Gebete, die Ihnen, bevor Sie mit dem Jesusgebet beginnen, eine Hilfe sein können. Es gibt hier keine verbindlichen Vorschriften, sondern nur persönliche Empfehlungen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Gemeinsames Jesus-Gebet


Einleitungsgebete


Vorsteherin (V) oder Leserin (L):
Durch die Gebete unserer heiligen Väter, Herr Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser!

A: 
Amen

L:
Ehre sei Dir, unser Gott, Ehre sei Dir!


In der Osterzeit nach dem Anfangssegen:
(A) Christ ist erstanden von den Toten. Im Tode bezwang er den Tod und hat allen in den Gräbern das Leben geschenkt. (3 x)


L:
Himmlischer König, Du Tröster und Geist der Wahrheit, der Du überall bist und alles erfüllst, Du Hort der Güter und Spender des Lebens, komm und wohne in uns! Reinige uns von allem Makel und rette, Gütiger, unsere Seelen!

Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser! (3 x)

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen

Hochheilige Dreifaltigkeit, erbarme Dich unser! Herr, reinige uns von unseren Sünden! Gebieter, verzeih unsere Vergehen! Heiliger, suche uns heim und heile unsere Gebrechen um Deines Namens willen!

Herr, erbarme Dich, Herr erbarme Dich, Herr, erbarme Dich
(oder)
Kirie eleison, Kirie eleison, Kirie eleison

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

(Anmerkung: In ostkirchlichen Gebetbüchern findet sich auch die Übersetzung, anstelle von „und führe uns nicht in Versuchung" der Wortlaut „und lass uns nicht fallen in der Versuchung". Die Übersetzung des Vater Unsers in die deutsche Sprache hat sich als schwierig erwiesen).

A:
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

L :
Herr, erbarme Dich (12 x)
(oder)
Kirie eleison (12 x)

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen


Kommt, lasst uns anbeten Gott, unseren König! Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor Christus, Gott, unserem König!
Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor Christus selbst, unserem König und Gott! Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor ihm!



Zwischenteil:


Psalm 50 (51)


Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit; und nach der Fülle Deiner Erbarmungen tilge meine Missetat.

Mehr und mehr wasche ab meine Ungerechtigkeit; und von meiner Sünde reinige mich.

Denn meine Missetat erkenne ich; meine Sünde steht mir immer vor Augen.

Gegen Dich allein hab' ich gesündigt und Böses vor Dir getan: auf dass Du gerecht erfahren wirst in Deinen Worten, und den Sieg erhältst, wenn man über Dich urteilt.

Denn siehe, in Ungerechtigkeit bin ich empfangen; in Sünden hat mich geboren meine Mutter.

Siehe, die Wahrheit hast Du geliebt; die heimlichen und verborgenen Dinge Deiner Weisheit mir geoffenbart.

Besprenge mich mit Hysop, so werde ich gereinigt; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee.

Gib meinem Gehör Freude und Wonne; so werden frohlocken die gedemütigten Glieder.

Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden; und all meine Missetaten tilge.

Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott; und den rechten Geist erneuere in meinem Innern.

Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht; und Deinen heiligen Geist nimm nicht von mir.

Gib mir wieder die Freude Deines Heiles; mit einem willigen Geist mache mich stark.

So will ich lehren die Ungerechten Deine Wege; und die Gottlosen werden sich zu Dir bekehren.

Erlöse mich von der Blutschuld, Gott, Du Gott meines Heiles; so wird mit Freuden meine Zunge Deine Gerechtigkeit preisen.

Herr, öffne meine Lippen; und mein Mund wird verkünden Dein Lob.

Denn wenn Du Opfer gewollt hättest, würd' ich ja freilich sie gegeben haben; an Brandopfern wirst Du kein Gefallen haben.

Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist; ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst Du, o Gott nicht verachten.

Wirke, Herr, in Gnade nach Deinem guten Willen an Zion; damit die Mauern Jerusalems erbaut werden
.
Dann wirst Du annehmen das Opfer der Gerechtigkeit, Gaben und Brandopfer; dann wird man junge Stiere auf Deinen Altar legen.


Jesus-Gebet


„Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser!" (jew. 10 x, dann einfügen:)

„Allheilige Gottesgebärerin, rette uns!"

(Diese Einfügung kann auch erst nach 100-maligem Beten des Jesusgebets erfolgen)

Andere Formulierungen:
1. (In den Anliegen anderer Mitmenschen, oder bei besonderen Anliegen):

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich deines Dieners/deiner Dienerin NN. !"

2. (Empfehlung des Hl. Serafim von Sarov fair das Gebet am Nachmittag):

„Herr Jesus Christus, durch die Fürbitte der Gottesmutter, erbarme Dich meiner, des Sünders
(oder:)
„Hochheilige Gottesgebärerin, rette mich Sünder!"


Entlassung


L/V:
Ehre sei Dir, Christus, Gott, unsere Hoffnung, Ehre sei Dir!

A:
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich
(oder)
Kirie eleison, Kirie eleison, Kirie eleison

Christus, Gott, gib den Segen!

L/V:
Durch die Gebete unserer heiligen Väter, Herr Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser!

A:
Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich.


Gesänge und Gebete zum Ausklang


1. (das Jahr hindurch)(8. Ton):
Dir, der für uns kämpfenden Heerführerin, bringen wir, als deine von den Übeln erlöste Diener, dankerfüllte Siegeslieder, o Gottesgebärerin! Du aber, da du unüberwindliche Macht besitzt, befreie uns aus allen Gefahren, auf dass wir zu Dir rufen: Freue dich, du unvermählte Braut!

2. (4. Ton):
Gottesgebärerin, Jungfrau, freue Dich, Du gnadenvolle Maria, der Herr ist mit Dir. Du bist gesegnet unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht Deines Leibes; denn geboren hast Du den Erlöser unserer Seelen.

3. a. (westl. Tradition)
Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren,
o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin. Versöhne uns mit Deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. Amen

b. (byz. Tradition):
Unter Deine Barmherzigkeit flüchten wir uns, Gottesgebärerin, Jungfrau. Verschmähe nicht unser Flehen in der Not, sondern erlöse uns aus allen Gefahren. Du einzig Reine und Gesegnete! Allheilige Gottesgebärerin, rette uns!

4. (Osterzeit)(8. Ton):
Bist Du auch ins Grab hinabgestiegen, o Unsterblicher, so hast Du doch die Gewalt der Hölle zerstört und bist als Sieger von neuem auferstanden, Christus, o Gott; den balsamtragenden Frauen riefest Du "Freuet euch!" zu; Deinen Aposteln entbotest Du Frieden und den Gefallenen schenktest Du die Auferstehung!

5. (Weihnachtszeit)(3. Ton):
Die Jungfrau gebiert heute den Überseienden, und die Erde bietet dem Unzugänglichen die Höhle. Engel lobpreisen mit den Hirten, Weise aber ziehen mit dem Stern. Denn für uns ward geboren ein kleines Kind, der urewige Gott.

Das Glaubensbekenntnis
Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an den einen Herr Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott. Gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist, aus Maria der Jungfrau und ist Mensch geworden. Gekreuzigt wurde er für uns unter Pontius Pilatus und hat den Tod erlitten und ist begraben worden und ist auferstanden am dritten Tage, gemäß der Schrift. Er ist aufgefahren in den Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters. Er wird wiederkommen in Herrlichkeit, Gericht zu halten über Lebende und Tote, und seines Reiches wird kein Ende sein. Und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebenspender, der vom Vater (und vom Sohne) ausgeht. Er wird mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht. Er hat gesprochen durch die Propheten. Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Gebete zur Gottesmutter
Wahrhaft würdig ist es Dich zu preisen, Gottesgebärerin, allzeit hochselige und unbefleckte Mutter unseres Herrn. Die Du ehrwürdiger bist als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim, unversehrt hast Du das Wort Gottes geboren, ja Du, die Du wahrhaft Gottesgebärerin bist, sei hochgepriesen!

Gottesgebärerin und Jungfrau Maria, sei gegrüßt, voll der Gnade; der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, weil Du geboren den Heiland und Erlöser unserer Seelen. Amen.

Es gibt unterschiedliche Arten des ostkirchlichen Rosenkranzes. Sie können nach zehn Jesusgebeten die Anrufung einfügen: „Allheilige Gottesgebärerin, rette uns!" Oder diese Anrufung auch erst nach hundert Jesusgebeten verrichten. Im Jesusgebet beten wir immer um Barmherzigkeit für die ganze Welt. Eine Gebetsgruppe kann zusammen mündlich das Jesusgebet wiederholen mit dem Wortlaut: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser!"
Verschiedene Möglichkeiten sind in dem Büchlein „Jesusgebet und Heiligkeit" erklärt (Fe-Medienverlag). Das Jesusgebet kann auch in den Anliegen anderer Mitmenschen oder auch für besondere Anliegen verrichtet werden. Hierzu eignet sich folgender Wortlaut: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich deines Dieners NN." Der heilige Seraphim empfahl am Nachmittag zu beten: „Herr Jesus Christus, durch die Fürbitte der Gottesmutter, erbarme Dich meiner, des Sünders" oder „Hochheilige Gottesgebärerin, rette mich Sünder!"
Es besteht die Möglichkeit, stehend und kniend mit ausgebreiteten Armen in Kreuzform zu beten. In dieser Haltung betete auch der Prophet Mose; als er keine Kraft mehr hatte, die Arme ausgestreckt zu halten, halfen ihm seine Begleiter, denn jedes Mal, wenn seine Arme sanken, bestand die Gefahr, dass die Israeliten von ihren Feinden überwunden wurden.


Der Rosenkranz der Heilung und Hilfe


Dieser Rosenkranz, dessen Kernteil aus der Wiederholung des Jesusgebets besteht, wurde für Christen geschrieben, die gerne das Jesusgebet für die Erhörung von eigenen Gebetsanliegen oder die von Mitmenschen verrichten möchten. Man kann für das Rosenkranzgebet einen normalen Rosenkranz nehmen. Auf den Vater-unser-Perlen wird gebetet: „Abba, Vater, erhöre mich um des Namens Jesu, Deines vielgeliebten Sohnes willen!" Zur Erklärung: Die Anrede Abba, Vater, bezieht sich auf das Gebet Jesu am Ölberg zu seinem Vater (Mt 26,39). Wenn wir den Vater im Namen Jesu bitten, dann tun wir das, was Jesus uns selbst gelehrt hat:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch: wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet, wird er es Euch in meinem Namen geben. Bis jetzt habt ihr um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, und Ihr werdet empfangen, damit Eure Freude vollkommen sei" (Joh 16,23-25). Jesus verspricht uns eine „vollkommene Freude", wenn wir in seinem Namen den Vater bitten. Wir rufen unseren Herrn Jesus Christus als den „vielgeliebten Sohn" des Vaters an, weil bei der Taufe im Jordan der Vater den Sohn als von ihm geliebt bezeugte. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe" (Mt 3,17).

Auf den Perlen für das Ave-Maria werden kurze Stoßgebete gesprochen. Zunächst einmal „Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner". Dieses Stoßgebet nimmt Bezug auf die Begegnung Jesu mit dem blinden Bartimäus. „Und sie kamen nach Jericho, und als er mit seinen Jüngern und vielem Volk aus Jericho herauszog, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Wege. Als er hörte, es sei Jesus, der Nazarener, begann er laut zu schreien: „Sohn Davids, Jesus, erbarme Dich meiner." Viele fuhren ihn an, er solle still sein, er aber schrie noch lauter: „Sohn Davids, erbarme Dich meiner." Da blieb Jesus stehen und sprach: „Ruft ihn her." Nun riefen sie den Blinden und sagten ihm: „Mut! Steh auf. Er ruft Dich." Der aber warf seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus wandte sich ihm zu und sprach: „Was willst Du, das ich Dir tun soll?" Der Blinde antwortete ihm: „Rabbuni, dass ich wieder sehen kann." Da sprach Jesus zu ihm: „Geh, Dein Glaube hat Dir Heilung gebracht." Und sogleich sah er wieder und folgte ihm auf dem Wege (Mk 10,46-52). Von diesem Zitat aus dem Evangelium: „Geh, Dein Glaube hat Dir Heilung gebracht" leitet sich der Rosenkranz der Heilung ab.

Betrachten wir einmal gemeinsam die Blindenheilung in Jericho. Bartimäus beginnt laut zu schreien, als Jesus vorbeikommt. Sein Gebet gibt ihm Kraft, gegen den Widerstand und die Forderung der Mitmenschen, er solle still sein, noch lauter zu schreien. Die Anrufung Jesu bewirkt, dass er stehen bleibt und ihn zu sich rufen lässt. Unser Rufen im Namen Jesu bewirkt also die Zuwendung des Herrn. Jesus bleibt stehen und wendet sich dem Bartimäus zu. Als Bartimäus das Erbarmen Jesu angerufen hat, fragt er ihn:
„Was willst Du, das ich Dir tun soll?” Jesus erfüllt den Wunsch des Bartimäus und die Gebete des Bartimäus haben sicherlich dazu beigetragen, dass sein Glaube vermehrt wurde, denn Jesus betont, dass der Glaube dem Bartimäus die Heilung brachte. Für den Glauben und seine Stärkung benötigen wir das Gebet. Ohne Gebet kein Glaube und ohne Glaube kein Gebet. Bartimäus erhält nicht nur das Licht der Augen, sondern auch jenes der Seele. Er erkennt Jesus als seinen Messias und erhält die Kraft zur Nachfolge Christi, denn es heißt, er wäre Jesus auf dem Weg gefolgt.

Für die innere Haltung beim Rosenkranz der Heilung und Hilfe ist das Gleichnis vom Zöllner und Pharisäer richtungsweisend. In der ostkirchlichen Theologie zur Erklärung des Jesusgebets wird dieses Gleichnis oft zitiert, auch um den Zustand des Menschen als den eines Sünders zu beschreiben. Zu einigen, die sich selbstsicher für gerecht hielten und die übrigen verachteten, sagte er aber auch dieses Gleichnis: „Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten: Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich auf und betete bei sich so: „Gott, ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, auch nicht wie dieser Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche, und ich gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften." Der Zöllner aber stand weit entfernt und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: „Gott, sei mir Sünder gnädig." „Ich sage Euch: dieser ging gerechtfertigt nach Hause, anders als jener. Denn jener, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich selbst aber erniedrigt, wird erhöht werden" (Lk 17,9-14).

Wenn wir also beim Jesusgebet das Erbarmen Gottes anrufen, dann bitten wir um Vergebung und in unserer Bedürftigkeit um das, wessen wir bedürfen (die Liebe Gottes, seine Heilung, seine Vergebung, seine Barmherzigkeit und Zuwendung). Wenn wir Jesus als den „Sohn Gottes" anrufen, dann wiederholen wir das Bekenntnis des Petrus, der ihn als den „Sohn des lebendigen Gottes" bekennt und nach den Worten Christi diese Erkenntnis vom Vater geschenkt bekam. „Da antwortete Simon-Petrus und sprach: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes" (Mt 16,16).

Bei der Anrufung ,Jesus, eile mir zu helfen', nehmen wir Bezug auf Psalm 69: „0 Gott, komm mir zur Hilfe, Herr, eile, mir zu helfen." Wir bitten den Herrn Jesus, uns schnell zu Hilfe zu eilen; mit dem Wort „eilen" drücken wir aus, dass wir unverzüglich um die Hilfe des Herrn bitten. An dieser Stelle können Sie ihr Anliegen einsetzen: Jesus, eile mir zu helfen (wegen meiner Schulden, wegen dem Frieden in der Familie, wegen meiner Krankheit, ...). Bei der nächsten Anrufung ,Jesus, heile mich' bitten wir den Herrn um die vollständige Heilung von Leib und Seele. Jesus zog umher, Wohltaten spendend, und er schenkte zugleich mit der Vergebung der Sünden auch die Heilung von körperlichen Gebrechen. Dies zeigt uns besonders das Gleichnis vom Gelähmten. Jesus betont in diesem Gleichnis, dass die Vergebung der Sünden an erster Stelle steht und danach folgt die körperliche Heilung. Der Herr hilft dem Gelähmten auf vollständige Weise. Bei ihm gibt es keine halbe Heilung.

Mit der Anrufung ,Heilige Gottesmutter, rette mich' nehmen wir Bezug zur Stillung des Seesturms: Da traten sie hinzu, weckten ihn und riefen: „Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!" (Mt 8,25). Wir rufen die Gottesmutter an, dem Herrn Jesus unsere Bitte um Rettung zu überbringen. Eingeleitet wird der Rosenkranz mit dem wunderschönen Gebet: „Himmlischer König..." (S. 34).

Wir rufen den Heiligen Geist an als den „Tröster und Geist der Wahrheit, Spender aller Gnaden und Schatzkammer aller Güter." Es ist der Heilige Geist, der uns lehrt, wie wir im Namen beten sollen. Nicht umsonst heißt es im Römerbrief: „Niemand kann Herr Jesus sagen, außer im Heiligen Geist." Zur Heilung durch den Namen Jesus gehört auch untrennbar die Heilung durch die heiligen Mysterien oder Sakramente. Hierzu gehören das Sakrament der Buße, der Empfang der heiligsten Eucharistie und wenn die entsprechenden Bedingungen gegeben sind, das Sakrament der Krankensalbung. In den Sakramenten begegnet uns Jesus mit seiner heilenden Liebe.

Wenn Sie den Rosenkranz der Heilung und Hilfe beten, so können Sie auch um Heilung durch das Sakrament der Buße bitten. Bitten Sie Jesus beim Gebet, dass er durch die Kraft und das Licht seines göttlichen Namens alle Tiefen ihrer Seele durchdringt und alle Verletzungen, Traumata und Wunden und seelischen Verwundungen heilt. Starez Porphyrios empfiehlt, dass Sie mit einem Priester ein Beichtgespräch führen und diesem Priester (soweit sie sich nur erinnern können) alle Verwundungen, Einflüsse und Schwierigkeiten, natürlich auch die Sünden ihres Lebens seit der Geburt (soweit es in Ihrem Gedächtnis vorhanden ist) berichten. Hierzu empfiehlt es sich mit einem Priester, der Zeit hat und gerne bereit ist, sie anzuhören, einen Termin zu vereinbaren. Bitte legen Sie eine so ausführliche Beichte nicht ohne Voranmeldung bei einem Priester ab. Sollten Sie in einer Reihe von Beichtenden sein, so könnten Sie Ihre Mitmenschen behindern, denn für eine derartige Beichte braucht es Zeit und Sie können nicht erwarten, dass eine Reihe von Beichtwilligen, die hinter Ihnen ansteht, länger bereit ist zu warten.


Der Gebetstext für den Rosenkranz der Heilung und der schnellen Hilfe


Zur Einleitung wird das ‚Glaubensbekenntnis' (S. 42 in diesem Büchlein) gebetet, das ,Vater Unser', das ,Gegrüßet seist Du Maria' und danach noch das Gebet ,Himmlischer König'. Es folgt dann nachfolgend der Text:

Auf der Vater-Unser-Perle:
„Abba, Vater, erhöre mich um des Namens Jesu, Deines vielgeliebten Sohnes willen!

Auf der Gegrüßet-seist-Du-Maria-Perle:
Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner!
Jesus, eile mir zu helfen!
Jesus, in Deinem Namen heile mich!
Jesus, in Deiner Vollmacht befreie mich!
Heilige Gottesmutter, rette mich!"

Am Schluss folgt das Gebet ,Unter Deine Barmherzigkeit'.
„Unter Deine Barmherzigkeit flüchten wir uns, Gottesgebärerin, Jungfrau. Verschmähe nicht unser Flehen in der Not, sondern erlöse uns aus den Gefahren. Du einzig Reine und Gesegnete. Allheilige Gottesgebärerin, rette uns."


Bitte um Mitteilung von Erfahrungen mit dem Jesusgebet und dem Rosenkranz der Heilung


Wir möchten gerne ein Büchlein herausgeben, das Glaubenszeugnisse über das Jesusgebet und den Rosenkranz der Heilung enthält. Wenn Sie also persönliche Erfahrungen haben, so schreiben Sie uns bitte, damit auch andere Mitchristen gestärkt werden im Gebet zur Ehre des Namens Jesu. Sie können dabei anonym bleiben oder wir geben nur Ihren Vornamen an bzw. Abkürzungen von Ihren Angaben.

Das Jesusgebet finden Sie auch im Katechismus der katholischen Kirche und im Gotteslob.

Die „Gemeinschaft von der Verklärung unseres Herrn Jesus Christus" ist eine Gebetsgemeinschaft zur Förderung des Jesusgebets unter den Gläubigen. Das Jesusgebet ist für uns ein Gebet der Anbetung und ein Bekenntnis unseres Glaubens an Jesus Christus, den Sohn Gottes.

Die „Gemeinschaft von der Verklärung unseres Herrn Jesus Christus" ist eine internationale Vereinigung in Zusammenarbeit mit katholischen Ordensgemeinschaften in der Ukraine (Basilianer, Studiten und Redemptoristen).

Das heilige Madylion - Antlitz Jesu Christi. Zeichnung von Heinrich Wolf.
Das heilige Madylion - Antlitz Jesu Christi. Zeichnung von Heinrich Wolf.

5 Gründe, warum Sie Mitglied werden sollten in unserer Vereinigung:


1. Um Ihre Wertschätzung für das Jesusgebet zu bekunden und um Anteil zu haben am Gebet aller Mitglieder, die das Jesusgebet praktizieren.

2. Um durch Ihre Mitgliedschaft dazu beizutragen, dass das Jesusgebet möglichst weite Verbreitung findet.

3. Um dazu beizutragen, dass bei entsprechendem Interesse Seminare und Tagungen über das Jesusgebet abgehalten werden, um geistliche Väter zu ermutigen, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Es wäre ideal, wenn Sie mithelfen könnten, zum Aufbau einer Gebetsgruppe „Christus Pantokrator", deren Mitglieder sich wöchentlich oder monatlich 15 oder 30 Minuten zum gemeinsamen Beten des Jesusgebets treffen und hinterher ihre Erfahrungen austauschen.

4. Um gemeinsam das Geheimnis der Verklärung unseres Herrn Jesus Christus zu verehren. Damit wir als Vorbereitung auf die himmlische Seligkeit dieses Geheimnis immer tiefer begreifen und erfahren dürfen.

5. Um Anteil zu haben an der Heiligen Messe, die monatlich zu Ehren der Verklärung Jesu Christi und der Gottesmutter als Lehrmeisterin des Jesusgebets gefeiert wird.

Mitglied können Sie werden, wenn Sie täglich das Jesusgebet entsprechend Ihren Möglichkeiten beten. Es besteht keine Verpflichtung unter Sünde. Einige wenige Jesusgebete zu verrichten, dürfte sogar während der Arbeit leicht möglich sein.

Aufnahmeversprechen:
O Herr, Du wurdest verklärt auf dem Berg Tabor, und ich bitte Dich, gewähre mir, dieses Geheimnis Deiner Verklärung in meinem Leben immer tiefer zu erkennen und zu erfahren. Weil ich an diese Deine Verklärung glaube und zuversichtlich darauf hoffe, Anteil an dieser Gnade zu erlangen, will ich mich bemühen, das Jesusgebet entsprechend meinen Möglichkeiten in Liebe täglich zu beten. Ich will dies tun im Vertrauen auf die Fürsprache der allheiligen Gottesgebärerin und ihrer Hilfe als Lehrmeisterin des immerwährenden Jesusgebetes. Würdige mich, Deine Gottheit im Glanz ihrer Verklärung einst im Himmel sehen und anbeten zu dürfen. Amen

Anmeldung zum Jesusgebet: 
Ein Anmeldeformular zur Gebetsgemeinschaft vom Jesusgebet kann angefordert werden bei:

Heilig-Blut-Gemeinschaft
Bühl 1
D-87480 Weitnau


Ikone der Gottesmutter Maria, der Knotenlöserin, gemalt von Alfred Rebhan aus Teuschnitz. Wir danken für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
Ikone der Gottesmutter Maria, der Knotenlöserin, gemalt von Alfred Rebhan aus Teuschnitz. Wir danken für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.

Gebet vor der Ikone der Gottesmutter Maria, der Knotenlöserin


Gottesmutter Maria, Deine Liebe zu uns ist unvergleichlich. Schau mit Deinen barmherzigen Augen auf das Band der Knoten unseres Lebens, das Dein göttlicher Sohn und unser Erlöser in sei¬nen Händen hält. Dir übergeben wir alle Knoten.. ... (hier nennen), die uns auf verkehrte Weise binden, bedrängen und bedrücken. Bitte Deinen Sohn, jeden einzelnen dieser Knoten, deren Last uns bedrückt, vereint mit Dir, für uns aufzulösen. Egal, wie fest die Knoten sitzen, wir wissen, dass durch Deine Fürsprache auch die verwickeltsten Knoten aufgelöst werden können.

In Deine Mutterhände legen wir alle Knoten unserer Freunde, Familien und Verwandten, aller Menschen, die sich unserem Gebet anvertraut haben. Übergib Du jeden Knoten unserem Herrn Jesus Christus, damit er ihn mit Dir zusammen löst und wir frei werden, den Willen Gottes zu erfüllen. Wir danken Dir, dass Du uns im Namen Jesu erhörst, wie es zu unserem Heil gereicht.

Vater Unser. Gegrüßest seist Du Maria. Ehre sei dem Vater.

Wahrhaft würdig ist es, Dich selig zu preisen, Gottesgebärerin, allzeit Selige und Makellose und Mutter unseres Gottes. Du bist ehrwürdiger als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim, unversehrt hast Du das Wort Gottes geboren, Du wahrhaft Gottesgebärerin, sei hochgepriesen.


Copyright by
Heilig-Blut-Gemeinschaft vom Erlöser der Welt e.V.,
D-87480 Weitnau, Bühl 1




Starez Joseph, der Hesychast beim Jesusgebet. Zeichnung von Heinrich Wolf.
Starez Joseph, der Hesychast beim Jesusgebet. Zeichnung von Heinrich Wolf.
Ikone des hl Josef, gemalt von Alfred Rebhan aus Teuschnitz.
Ikone des hl Josef, gemalt von Alfred Rebhan aus Teuschnitz.


Zurück



Kontakt


Heilig-Blut-Gemeinschaft e.V.
Bühl 1, 87480 Weitnau

Tel.: 08375/929820
E-Mail: info@heilig-blut.com

Spenden


Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unser Medienapostolat.

Spendenformular EU
Spendenformular Schweiz

Medien


zum Katalog St. Josefs-Versand ...
St. Josefs-Versand

Hier finden Sie unseren aktuellen Katalog ...

Rechtliches & Nützliches


Sitemap anrufen
Datenschutz
Impressum

Zurück zur Startseite!

© 2017 Heilig-Blut-Gemeinschaft e.V.
Alle Rechte vorbehalten . made by ...